CES-Klimatage 2019

Sie waren bunt, vielseitig und ergebnisreich: Am 19. und 20. Dezember 2019 fanden die ersten Klimatage der Carl-Engler-Schule in Karlsruhe statt.

Rund 700 Schüler/innen arbeiteten am 19.12. in 26 Workshops zu verschiedensten Dimensionen des Klima- und Umweltschutzes. Dabei entstanden ganz unterschiedliche Produkte – präsentiert und verkauft während des traditionellen Weihnachtsbasars am darauffolgenden Tag. Die weihnachtliche Andacht, mit der der letzte Schultag des Jahres begann, stand passend zum Klimathema unter dem Motto „Höchste Zeit“.

Zeit zum Handeln war gleich in mehreren Workshops:

  • Im Schulhof entsteht unter der Initiative der Schülermitverantwortung (SMV) ein Hochbeet;
  • eine Klasse bereitete einen Flohmarkt vor, auf dem den Besuchern der schulinternen Weihnachtsfeier Kleidung, Elektrogeräte, selbstgemachte Seifen und weihnachtliche Dekoration angeboten wurden;
  • eine weitere Workshop-Gruppe untersuchte ergänzend, welche Menge Wasser tatsächlich für die Herstellung eines Produkts anfällt – Stichwort „virtuelles Wasser“;
  • „Schade, dass die Zeit schon um ist!“ fand ein CTA-Schüler, der beim praktischen Recycling Schmuck aus Alltagsverpackungen bastelte. Seine Freude war groß, als am Freitag beim Verkauf die Kasse klingelte;
  • eine andere Art von Kreativität entfaltete sich in der „Kunst für das Klima“, wo Collagen, Objekte aus Wegwerfprodukten und sogar Statistikdiagramme in künstlerischer Gestalt erschaffen wurden;
  • wo sonst in den Laboren berufliche Bildung stattfindet, waren Schüler/innen im Spektroskopie-Labor auf der Suche nach der Wärme, die uns umgibt, untersuchten Mikroplastikpartikel oder stellten Körperpflegeprodukte her;
  • und mit der Kraft der Pflanzen arbeitete eine weitere Laborgruppe. Sie untersuchte einen nachhaltigen Kraftstoff für gewöhnliche Verbrennungsmotoren: Biodiesel;
  • um die offensichtlichen Mängel im Schulgebäude kümmerte sich eine weitere Gruppe. Sie verfasste eine Petition mit dem Titel „Wir wollen eine klimaneutrale Stadt“ an die Stadt Karlsruhe;
  • in Kooperation mit dem Gartenbauamt hat eine Gruppe im Grünstreifen vor der Schule eine Wildblumenwiese geplant, die im Frühjahr angelegt wird;

Ein Schüler des Technischen Gymnasiums, Nick Wittmann, lässt uns an dieser Aktion teilhaben:

„Unsere Gruppe hat als Ziel, einen Teil der Grünfläche im Innenhof der Schule mit Wildkräutern zu bepflanzen. Einige geladene Referenten, vermittelten uns das Wissen, wieso man eine solche Fläche anlegen sollte und wie das funktioniert.

Zuerst hörten wir aber einen Vortrag zum Thema Insekten von Herr Weinrebe, dem Regionalgeschäftsführer des Bundes für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND). Er vermittelte uns, wie wichtig Insekten für die Nahrungskette sind, dass sie Kreisläufe am Leben erhalten und für die Zersetzung von toten Tieren und Pflanzen verantwortlich sind. Wir lernten auch, dass die Population der Insekten in den letzten Jahren stark abgenommen hat. Dies sei auf mangelnden Lebensraum und extensive Landwirtschaft zurückzuführen. Die Landwirtschaft töte durch den Einsatz von Pestiziden viele Insekten, was durch strengere Auflagen für Bauern verbessert werden solle.

Im Anschluss informierte uns Herr Wörle, ein Mitarbeiter des Gartenbauamtes Karlsruhe, darüber, wie versucht wird, mehr Lebensraum für Insekten im städtischen Bereich Karlsruhes einzurichten. Er wird geschaffen, indem Grünflächen, die bisher mit Gras bepflanzt waren und regelmäßig gemäht wurden, nun mit Wildkräutern, die den Insekten als Nahrungsquelle dienen, bepflanzt werden und nur noch ein- bis zweimal im Jahr gemäht werden. Er erklärte auch, welche Wildkräuter derzeit angepflanzt und welche Insekten durch sie angelockt werden.

Danach planten wir mit Frau Buchmüller, einer weiteren Angestellten des Gartenbauamtes Karlsruhe, unser Projekt vor der Carl-Engler-Schule: die Grünfläche im Norden des Innenhofes der Schule soll zum Teil mit Wildkräutern bepflanzt werden. Material und benötigte Werkzeuge stellt das Gartenbauamt zur Verfügung und im März 2020 wird die Fläche von Schülerinnen und Schülern unter Anleitung des Gartenbauamtes neu angelegt!

Nun hörten wir den Vortrag eines Lehrers unserer Schule, Herrn Kurbel, der selbst imkert. Er sprach speziell über Honigbienen, die seiner Aussage nach allerdings zu wenig erforscht seien. Ein Bienenvolk besteht im Sommer aus ca. 50.000 Bienen und im Winter aus 15.000 Bienen. Sie sind für die Bestäubung der Blüten verantwortlich und tragen somit zur Fortpflanzung von Pflanzen und Bäumen bei. Allerdings gibt es immer weniger Bienen, da es viele Krankheiten gibt, die ganze Bienenvölker befallen und auslöschen. Dies könnte nicht nur in Deutschland zu verheerenden Folgen für die Landwirtschaft und die Nahrungsmittelindustrie führen.

Am Ende des Workshops gestalteten wir Plakate, mit denen wir am darauffolgenden Tag über uns Projekt informieren und unser erlangtes Wissen an den Rest der Schule weitergeben wollten.“

Eine Referentin der Karlsruher Energie- und Klimaschutzagentur (KEK), Frau Julia Hochschild, maß mit Schülern ihren persönlichen ökologischen Fußabdruck. Das geschah anhand von 32 gestellten Fragen, die tatsächlich auf einem 1-Meter-großen Fußabdruck abgedruckt waren. Gegliedert waren sie in die Kategorien Energie, Konsum, Ernährung und Mobilität. Über manche Fragen gerieten die jungen Leute doch sehr ins Staunen, und fragten sich, was dies nun mit Klima zu tun habe. So wurde z. B. im Bereich der Mobilität gefragt, wie oft man den Reifendruck seines Autos kontrolliert.
In der anschließenden Diskussion wunderten sie sich über die Höhe ihres ökologischen Fußabdrucks und fragten sich, wo sie etwas ändern könnten. Da die KEK unter anderem im Auftrag der Stadt Karlsruhe handelt, war außerdem die Frage, was die Stadt Karlsruhe zum Thema Ökologie beitragen könne. Hier war die erste Bitte, den öffentlich Nahverkehr zu verbessern – vor allem müsse er pünktlicher und billiger werden!

Im Waldzentrum Karlsruhe in der Linkenheimer Allee erwartete eine Workshop-Gruppe eine Führung durch den Hardtwald mit integriertem Vortrag. Zuvor waren auf der Basis von Sachtexten Fragen an die Waldpädagogen und den Forstwirt vorbereitet worden. Während der Exkursion hatten die Schüler/innen Gelegenheit, sichtbare Waldschäden zu beobachten und auszuwerten. Neben interessanten Informationen zur aktuellen Situation des Waldes und Einschätzungen zu deren Zukunft sowie knappen Handlungsanweisungen zur Unterstützung des Waldes, wurde auch mit Vorurteilen, wie dass man mit Holz ganz einfach Geld verdienen könne, oder dass Abholzung generell schlecht sei, aufgeräumt. Durch den direkten Kontakt zum Wald und die Möglichkeit zur Holzbearbeitung wurde Wald „erfahrbar“. So griffen die Teilnehmer/innen selbst zur Säge und konnten ihre Produkte mitnehmen. Nach der Rückkehr in die Schule reflektierten die Schüler/innen ihren Tag und hielten die Erkenntnisse und Informationen auf Plakaten fest. Diese wurden während des Weihnachtsbasars zusammen mit den Exponaten aus dem Wald als Information für die Mitschüler/innen präsentiert.

Dass gemeinsam was geht, war auch beim Essensangebot während des Weihnachtsbasars spürbar: alle Klassen spendeten Kuchen mit vorwiegend nachhaltig produzierten Zutaten und herzhaftes Fingerfood aus aller Welt. Der Verkaufserlös wird einem Projekt zum Klimaschutz gespendet – welches das sein wird, entscheidet die SMV.

Eine Gruppe, die während ihres Workshops ökologische Aspekte der Zubereitung von Mahlzeiten untersucht hatte, griff gleich selbst zu den Kochlöffeln: freundlicherweise hat die benachbarte Elisabeth-Selbert-Schule ihre Schulküche zur Benutzung freigegeben. Zubereitet wurde vegetarisches und traditionelles Chili – das reißenden Absatz fand! Tatsächlich sind die allermeisten Besucher des Weihnachtsbasars dem Aufruf gefolgt, eigene Schüsseln, Tassen und Löffel mitzubringen, damit keine Wegwerfprodukte verwendet werden müssen.

Das Projekt „Glücklich essen fürs Klima“ beschäftigte sich mit der Frage, wie wir mit unseren Essgewohnheiten die Umwelt beeinflussen und wie wir uns möglichst klimabewusst ernähren können. Biologischer Anbau, der Konsum lokaler und saisonaler Produkte sowie der möglichst geringe Verzehr tierischer Produkte sind dabei zentrale Aspekte. Die Schüler/innen erhielten zunächst einen theoretischen Input und erstellten informative Plakate darüber, inwiefern Ernährung und Klima zusammenhängen, welche Faktoren die CO2-Bilanz eines Lebensmittels beeinflussen und auf was wir achten müssen, wenn wir uns umweltfreundlich ernähren wollen. Im Anschluss daran setzten die Teilnehmer/innen das erarbeitete Wissen um, suchten klimafreundliche Rezepte und kochten eigenständig, so dass ein buntes, klimafreundliches Buffet Gestalt annahm. Ein Produkt für den Weihnachtsbasar entstand ebenfalls: ayurvedische, vegane Energiebällchen, die dank einer großzügigen Spende von DM hergestellt werden konnten.

Mit einer anschließenden Bilanzierung wurde ein Bewusstsein für nachhaltige Ernährung geschaffen, das die Schüler/innen in ihrem Alltag begleitet. Sie erlebten, dass wir als Konsumenten eine gewisse Macht haben, Produkte vom Markt verschwinden zu lassen, indem wir sie nicht mehr kaufen, oder dass ökologisch, nachhaltig und fair produzierte Waren Einzug in die Regale von herkömmlichen Supermärkten finden können, weil wir sie nachfragen. Dankbar waren alle Teilnehmer/innen für konkrete Tipps, wie sie sich im Ernährungsdschungel zurechtfinden. Sie kamen zu dem Schluss: ob vegan, regional oder saisonal ist eben nicht egal!

Vergleichbares gilt für die Textilbranche: Der Workshop „Auf Tuchfühlung mit der Umwelt: Ökolabel bei Textilien und Nachhaltigkeit in der Mode“ brachte nicht wenige der Teilnehmer/innen zum Nachdenken über das eigene Kaufverhalten.

Technisch orientiert waren dagegen die Teilnehmer/innen eines Workshops, der sich mit Stoffkreisläufen beschäftigte. Am Beispiel des Recyclings von Sicherungseinsätzen und Handys wurde deutlich, welche Stoffe recycelt werden können – und wie aufwendig dieser Prozess ist.

Ein Highlight der Klimatage war sicher der zahlreich besuchte Vortrag der Referenten von „Scientists for future“. Hier gab Herr Prof. Dr. Knippertz vom KIT einen Einblick in die aktuelle Klimaforschung und machte deutlich, dass es an der vom Menschen verursachten globalen Erwärmung nichts mehr zu rütteln gibt. Er zeigte aber auch aus, was wir im Bereich des Klimaschutzes tun sollten. Herr Dr. Beikert (Louis-Lepoix-Schule, Baden Baden) und Herr Zonsius (TEN Training) beantworteten hinterher im Plenum die Schülerfragen, die es durch die mediale Dauerpräsenz des Themas in großem Maße gab.

Wege aus dem Informationsdschungel in den Medien beim Thema Klimawandel wurden von zwei Gruppen gesucht. „Journalisten müssten viel klarer und sachlicher über den Klimawandel sprechen. Und vor allem deutlich sagen, was jeder einzelne zur Verminderung des CO2-Ausstoßes beitragen kann – statt immer über das Bild des Eisbären auf der schmelzenden Eisscholle Mitleid erregen zu wollen.“ Gleich mehrere Kriterienkataloge für sachgerechte Berichterstattung haben die Teilnehmer formuliert.

Lösungsorientiert arbeiteten auch die Teilnehmer/innen des Workshops „1,5 Grad zum Ziel: Klimawandel“. Was können wir lebensnah und alltagstauglich beitragen, damit dieses Ziel nicht verfehlt wird?

Zum Beispiel Seife herstellen!

In den Laborräumen der Pharmazie versammelten sich dafür 25 Schüler/innen. Nachdem jede/r mit Laborkittel und Schutzbrille ausgestattet war erklärte Workshop-Betreuerin Christine Henn in der Sicherheitsunterweisung die Gefahren im Umgang mit Natronlauge, die später selbst hergestellt wurde. Wie ein guter Koch wies auf die zeitkritischen bzw. langwierigen Vorgänge hin. Das entmineralisierte Wasser musste fünf Minuten kochen und anschließend auf Raumtemperatur abgekühlt werden. In der Fachsprache nennt man das gereinigtes Wasser – und das macht Sinn, denn wer will schon Keime in der Seife haben?! Durch das lange Kochen werden die Keime abgetötet.

Nach Rezept wurden dann die Zutaten abgewogen – Kokosfett, Raps- und Olivenöl. Die exakte Angabe der Waage wurde bei jedem Schritt sorgfältig protokolliert, zusammen mit der Chargennummer des Rohstoffes. Während sich das Fett im Wasserbad verflüssigt, wurde der nächste spannende Schritt vollzogen: im klimatisierten Wägeraum füllte jede/r 28,53 g Natriumhydroxid auf einer Präzisionswaage in einen Becher. Auch hier wurde der exakte Wert dokumentiert. Die Waagen sind so empfindlich, dass man sie zunächst mit einer Libelle „ins Wasser stellen“ muss. Das Natriumhydroxid wurde in vielen kleinen Portionen in das mittlerweile kalte Wasser eingerührt. Nach jeder Portion wurde so lange gerührt, bis sich alle Kristalle aufgelöst hatten. Da dieser Vorgang sicherheitskritisch ist, findet er unter dem Abzug statt. Natronlauge ist ätzend und die Dämpfe greifen die Atemwege an! Außerdem ist recht heiß, weil das Lösen von Natriumhydroxid in Wasser „exotherm“ ist, es wird Wärme freigesetzt.

Für den nächsten Schritt mussten die Natronlauge und die inzwischen flüssige Ölmischung auf 30-35 °C gekühlt werden. Dann wurde die Lauge langsam in das Öl eingerührt und mit einem Stabmixer so lange gerührt, bis sie andickte, so wie Vanillepudding direkt nach dem Kochen. Nach Wunsch konnte noch Duftstoff beigemengt werden. Die Masse wurden nun in Formen gefüllt und abgedeckt. Wer meint, das Anrühren der Natronlauge habe lange gedauert irrt sich! In der „fertigen“ Seife findet nun erst der eigentliche Verseifungsprozess statt. Die Natronlauge reagiert mit den Fetten und erzeugt so die wirklich fertige Seife. Das dauert … mehrere Monate. Und dabei hatten die Teilnehmer/inne auf die Seifen als Last-Minute-Weihnachtsgeschenk gehofft!

Im Workshop „Treibhauseffekt und extreme Wetterereignisse – Zeichen eines sich wandelnden Klimas?“ wurde Basiswissen geschaffen: zunächst wurde die Bedeutung der Begriffe Wetter und Klima geklärt. Die Schüler/innen erfuhren, dass man in der Umgangssprache zwar beide Begriffe synonym benutzt, sie aber zeitlich unterschiedliche Zustände bezeichnen. Thematisiert wurde auch, dass Menschen den Treibhauseffekt zwar zum Überleben brauchen, dieser allerdings unter ihrem Einfluss so stark zugenommen hat, dass er eine Veränderung des Klimas bewirkt. Abschließend gewannen die Schüler/innen medial unterstützt Einblicke, was man unter extremen Wetterereignissen versteht und wie diese mit dem Klimawandel zusammenhängen.

Das abwechslungsreiche Angebot der zahlreichen Workshop-Betreuer, die vielen helfenden Hände und engagierten Teilnehmer/innen und nicht zuletzt die entspannte Atmosphäre, die im ganzen Schulhaus spürbar war, haben dies Klimatage zu einem besonderen und wiederholenswerten Ereignis gemacht. Danke dafür allen Beteiligten!